Warum sollten Sie Glasfaserkabel in AV‑Systemen verwenden?
Die Kombination aus Licht und Glas ist einzigartig und für AV‑Profis ein leistungsstarkes Hilfsmittel in gängigen AV‑Anwendungen. Ein Glasfaserkabel kann zur Übertragung von hochauflösenden Video-, Audio- und Steuerungssignalen mit einer einzelnen Glasfaser über 30 km verwendet werden und es verhindert Signalverlust oder -abbau, Brummschleifen und elektrische Interferenzen. Da die über Glasfaser gesendeten Inhalte sicher vor fremdem Zugriff sind, werden Anwendungen mit Glasfaser besonders gerne in staatlichen, militärischen und medizinischen Bereichen eingesetzt.
Glasfaserkabel-Infrastruktur
Physische Topologie
In einem AV‑Glasfasersystem beschreibt die physische Topologie die Anordnung der Quellen und Displays und wie sie miteinander verbunden sind. Die geläufigsten Topologien sind Punkt zu Punkt, Kaskadierung und die Stern-Konfiguration (siehe Abb. 1). Die Punkt zu Punkt-Konfiguration wird für eine einfache Signalerweiterung über Glasfaserkabel genutzt. Kaskadierungen eignen sich zur Übertragung von einer einzigen Quelle an mehrere Ziele, wie z. B. bei Digital Signage-Anwendungen. Die Stern-Anordnung repräsentiert die vielseitigste Topologie mit einem zentralen System zur Umschaltung und Verteilung, um jede Quelle zu jedem Display senden zu können.
In der Praxis ist ein AV‑Glasfasersystem oft eine hybride Topologie, die mehrere Konfigurationen in einem einzigen System kombiniert (siehe Abb. 2). In diesem System sehen Sie eine Stern-Anordnung mit vier Sub-Netzwerken. Drei der Sub-Netzwerke sind ebenfalls sternförmig angeordnet und das vierte ist kaskadiert.
TIA/EIA-568-strukturierte Verkabelung
Eine gemäß dem TIA/EIA-568 Commercial Building Wiring-Standard installierte Glasfaserkabel-Infrastruktur hat eine hierarchische Stern-Topologie (siehe Abb. 3). Ein Technikraum (ER) bietet Querverbindungen zum Anschluss von Kabeln an Geräten zur Umschaltung, Routing und anderes. Der oberste Technikraum in der Hierarchie beinhaltet die Haupt-Querverbindung (MC), die das zentrale Umschalt- und Verteilsystem für das Gebäude darstellt. Der Technikraum eine Stufe tiefer beinhaltet eine mittlere Querverbindung (IC) für Verbindungen zu den Umschalt- und Verteilgeräten im Gebäude. Ein Telekommunikationsraum beinhaltet eine horizontale Querverbindung (HC), einen praktischen Punkt zur Verbindung von Kabeln vom Technikraum und Endnutzer-Geräten in einem Arbeitsbereich (WA). Ein Telekommunikationsraum kann auch Geräte zur lokalen Umschaltung und Verteilung beinhalten. Die Kabelverbindung zwischen dem Technikraum und einem Telekommunikationsraum wird als Basisnetz (Backbone) bezeichnet und die Kabelverbindung von einem Telekommunikationsraum zu einem Arbeitsbereich wird horizontale Verkabelung genannt.
Um den Signalabbau einzuschränken, dürfte nicht mehr als eine mittlere Querverbindung zwischen einer horizontalen Querverbindung und der Haupt-Querverbindung bestehen. Daher durchläuft jede Verbindung zwischen zwei horizontalen Querverbindungen nicht mehr als drei Cross-Connect-Systeme. Die Eingrenzung der Querverbindungen ist besonders wichtig in einer Glasfaserinfrastruktur, um größere optische Verluste aufgrund mehrerer Glasfaserstecker in einer Kabelstrecke zu vermeiden.
Abb. 4 zeigt z. B. einen Campus mit mehreren Gebäuden, wobei jedes Gebäude einen Technikraum und eine Zugangsstelle ins Gebäude (EF) hat. Eine Zugangsstelle ermöglicht einen Übergang für die Außenkabel zu den Innenkabeln zum Routing innerhalb des Gebäudes. Ein Technikraum umfasst die Haupt-Querverbindung und die übrigen Technikräume beinhalten jeweils eine Zwischen-Querverbindung. Das Basisnetz besteht aus Innenkabeln für Gebäude-Backbones und Außenkabel für den Campus-Backbone zwischen den Gebäuden.
Die im TIA/EIA-568-Standard spezifizierte hierarchische Stern-Topologie bietet Flexibilität für eine Vielfalt an Anwendungen. Zum Beispiel verfügt ein zentrales Umschalt- und Verteilsystem über einen einzigen Technikraum mit horizontaler Verkabelung vom Arbeitsbereich direkt zur Haupt-Querverbindung. Alternativ hat ein Verteilsystem Geräte im Telekommunikationsraum zur lokalen Umschaltung in einem Arbeitsbereich. Es könnte auch einen zusätzlichen Technikraum über eine Zwischen-Querverbindung unterstützen. Der TIA/EIA-568-Standard erlaubt Kabelverbindungen zwischen den Telekommunikationsräumen, um auch andere, nicht sternförmig angeordnete Topologien zu unterstützen.
Kabelanforderungen in einem AV‑Glasfasersystem
Die Auswahl des Kabels für ein AV‑Glasfasersystem hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. die Anzahl der benötigten Fasern, Kabelabschluss-Optionen, wo das Kabel installiert und wie das Kabel in der Infrastruktur genutzt wird. Zum Beispiel umfasst das AV‑Glasfasersystem in Abb. 5 ein zentrales Umschalt- und Verteilsystem in einem einzigen Technikraum für mehrere Arbeitsbereiche. Da sich der Technikraum und die Arbeitsbereiche auf einer Ebene befinden, ist kein Telekommunikationsraum erforderlich. Jedes Glasfaserkabel läuft vom Technikraum zu einem Sender oder Empfänger in einem Arbeitsbereich.
Anwendungen mit mehreren Ebenen
In einer Einrichtung mit mehreren Ebenen (siehe Abb. 6), in der ein Technikraum für Arbeitsbereiche auf mehreren Ebenen genutzt wird, ist ein Telekommunikationsraum auf jeder Etage erforderlich. Ein Patchfeld oder Spleißgehäuse im Telekommunikationsraum ermöglicht die Neukonfiguration eines Etagennetzwerks und bietet einen praktischen Übergangspunkt von der horizontalen zur Basisverkabelung.
Mit einer lokalen Kabelverbindung vom Arbeitsbereich zum Technikraum ist es möglich, ein Patchfeld oder Spleißgehäuse zu entfernen. Dies könnte die Kosten und optischen Verluste reduzieren. Um das zu erreichen, muss das Glasfaserkabel mit allen nationalen, staatlichen und lokalen Gebäude- und Sicherheitsrichtlinien für sowohl horizontale als auch Backbone-Bereiche konform sein.
Anwendungen mit mehreren Gebäuden
Das in Abb. 7 dargestellte System nutzt eine hierarchische Sterntopologie und umfasst verschiedene AV‑Komponenten im Technikraum, den Telekommunikationsräumen und Arbeitsbereichen. Die Geräte zur Umschaltung und Verteilung befinden sich in den Telekommunikationsräumen für die lokale Weiterleitung und im Technikraum für das sytemweite Routing. Der Technikraum fungiert zudem als Eingangsvorrichtung zur Verbindung mit den Geräten in anderen Gebäuden über das Campus-Basisnetz. Dieses Systemdesign beinhaltet viele verschiedene Kabel für den Innen- und Außengebrauch.
Horizontale Verkabelung
Die AV-Geräte in den Arbeitsbereichen sind an mehreren Stellen platziert und umfassen Videoquellen, Displays, Projektoren, Computer, Tastaturen und Mäuse. Entsprechend müssen verschiedene elektrische Signaltypen verarbeitet werden, wie z. B. DisplayPort, HDMI, DVI, Multiraten-SDI, VGA, HD-Komponenten-Video, SD-Video, Audio, USB, RS-232 und Ethernet. Die in der Nähe der AV‑Quellen und Displays installierten Sender und Empfänger bieten Anschlüsse für sowohl Glasfaser- als auch AV‑Kabel, um zwischen dem optischen und elektrischen Bereich umwandeln zu können.
Glasfaserkabel übertragen die Signale von den Arbeitsbereichen zu den Telekommunikations- oder Technikräumen im horizontalen Bereich. Da Quellen und Displays sich in unterschiedlichen Arbeitsbereichen befinden können, wurde ein separates Kabel von jedem Sender- oder Empfängerplatz zu einem Telekommunikations- oder Technikraum verlegt. Die Kabel sollten für das Ziehen und Installieren strapazierfähig genug sein und müssen alle erforderlichen Gebäude- und Sicherheitsrichtlinien erfüllen. Ein Patchfeld im Telekommunikationsraum bietet einen praktischen Abschlusspunkt zur horizontalen Verkabelung, um eine Neukonfiguration und zukünftige Erweiterung zu erleichtern (siehe Abb. 8). Die horizontale Verkabelung kann eventuell bereits vorkonfektioniert werden, um die Installation zu vereinfachen, oder der Kabelabschluss kann vor Ort durchgeführt werden.
Die Anzahl der benötigten Fasern in jedem Kabel hängt von dem verwendeten Sender oder Empfänger ab. Meistens sind ein bis vier Kabel für jede Verbindung zwischen einem Sender oder Empfänger und dem Telekommunikationsraum erforderlich. Die Produkte der Extron FOX-Serie nutzen eine Faser für unidirektionale Signale und zwei Fasern für bidirektionale Signale. Allerdings ist es empfehlenswert, immer Duplex-Glasfaserkabel zu verwenden, um die Übertragung von unidirektionaler und bidirektionaler Kommunikation und zukünftige Upgrades zu ermöglichen.
Basisverkabelung des Gebäudes
Die Basisverkabelung des Gebäudes verbindet den Telekommunikationsraum mit dem Technikraum. Patchfelder in einem Telekommunikationsraum und dem Technikraum bieten praktische Kabelabschlusspunkte. Multifaserkabel vereinfachen zudem die Installation zwischen den Räumen, da weniger Kabel gezogen werden müssen. Die Basisverkabelung des Gebäudes muss die nationalen und lokalen Gebäude- und Sicherheitsrichtlinien erfüllen.
Basisverkabelung eines Campus
Die Basisverkabelung eines Campus ermöglicht die Signalübertragung zwischen den Gebäuden einer großen Einrichtung, wie z. B. eine Universität oder ein Unternehmens-Campus. Außenkabel müssen widrigen Wetterbedingungen, Feuchtigkeit, Nagetieren und anderen Naturgewalten in der Umgebung standhalten. Sie könnten als Luftkabel zwischen Pfosten installiert, in der Erde verlegt oder durch einen Kabelkanal gezogen worden sein.
Gebäuderichtlinien schreiben vor, dass Außenkabel nur eine kurze Strecke außerhalb der technischen Zugangsstelle verlaufen dürfen. Jede Faser im Außenkabel wird mithilfe von Spleißen mit einer Faser eines entsprechenden Innenkabels verbunden, sodass eine permanente Verbindung zwischen den Innen- und Außenkabeln entsteht. Die gespleißten Elemente werden in einem Spleißbehälter platziert, der sich zum Schutz in einem Spleißgehäuse befindet (siehe Abb. 9). Manche Kabel sind für den Innen- und Außengebrauch zertifiziert und können direkt im Patchfeld oder Endgerät terminiert werden.
Patchkabel
Patchkabel sind werksseitig montierte Simplex- und Duplex-Kabel, die in horizontalen Bereichen, Telekommunikationsräumen und Technikräumen für kurze Verbindungen genutzt werden, wie z. B. zwischen den rackmontierten Geräten und einem Patchfeld. Duplex-Patchkabel sind mit umgekehrter (AB/BA) oder direkter (AB/AB) Polarität erhältlich (siehe Abb. 10). Der TIA/EIA-568-Standard spezifiziert Patchkabel mit umgekehrter Polarität für bidirektionale Duplex-Glasfasersignale, um sicherzustellen, dass der Ausgang oder Sender (Tx) an jedem Ende mit dem Eingang oder Empfänger (Rx) am anderen Ende verbunden ist.
Patchkabel sollten hochqualitative Kabel mit vormontierten Steckern sein, wie z. B. die Extron 2LC MM P-Multimode- und 2LC SM P-Singlemode-Glasfaserkabel. Sie müssen lang genug sein, damit das Kabel nicht überdehnt wird, aber auch nicht zu lang, um ein Kabelgewirr zu vermeiden. Die 2LC MM P- und 2LC SMP-Glasfaserkabel von Extron sind Duplex-Kabel, die in verschiedenen Längen von einem Meter bis zu 60 Metern für eine Vielfalt von Anwendungen erhältlich sind. Sie sind mit nach UPC-Standards polierten LC-Standardsteckern vorkonfektioniert. Die Konfiguration mit umgekehrter Polarität (AB/BA) gewährleistet eine saubere Abbildung der Eingangs-/Ausgangs (Tx/Rx)-Anschlüsse in einer TIA/EIA-568-konformen Glasfaserinfrastruktur oder bei der Verbindung eines Extenders der FOX-Serie in einer Punkt-zu-Punkt-Anwendung.
Simplex- und Duplex-Kabel für Innenräume
Kabelaufbau
Ein Simplex-Glasfaserkabel (siehe Abb. 11) besteht aus einer einzigen Glasfaser mit Vollader, die mit Verstärkungsmaterial aus Aramidgarn umhüllt ist. In der Mitte des Kabels befindet sich die 125 μm-Glasfaser mit einer 250 μm-Pufferbeschichtung. Ein sekundärer 900 μm-Puffer fungiert als zusätzlicher Schutz. Das Aramidgarn ist aus Kevlar® gefertigt, dasselbe Material, das auch vom Militär und der Polizei für Schutzwesten genutzt wird. Es bietet zusätzlichen Schutz und mehr Festigkeit beim Ziehen. Als letzte Schutzschicht umgibt eine 2 mm bis 3 mm dicke äußere Ummantelung das Garn und die gepufferte Faser.
Ein Duplex-Zipcord-Glasfaserkabel (siehe Abb. 12) besteht aus zwei aneinander gebundenen Simplex-Glasfasern, die leicht auseinander gezogen werden können. Jede gepufferte Faser ist mit Aramidgarn zur Verstärkung und einer Ummantelung umhüllt Ein dünner Streifen aus dem Ummantelungsmaterial in der Mitte hält die zwei Fasern zusammen.
Wo sie verwendet werden
Da die meisten AV-Signale sich entlang einer oder zwei Fasern bewegen, werden in AV‑Systemen am meisten Simplex- und Duplex-Glasfaserkabel verwendet. Sie werden als Patchkabel genutzt und oft in horizontalen Bereichen zwischen Telekommunikations- oder Technikräumen und Arbeitsbereichen installiert. Sie sind als Plenum-zertifizierte Variante und für Steigleitungen erhältlich, sodass sie in Wänden, Doppelböden und Luftschächten installiert werden können. Aufgrund ihres geringen Durchmessers und geringen Gewichts können diese Kabel leicht gezogen werden. Die individuell ummantelten und gepufferten Fasern erleichtern die Fertigung von Kabelabschlüssen vor Ort und bieten Stabilität für Routine-Handlungen.
Multi-Glasfaserkabel für Innenräume
Ein Breakout-Glasfaserkabel besteht aus mehreren Simplex-Kabeln in einer gebräuchlichen äußeren Ummantelung (siehe Abb. 13) gezeigt. Die Simplex-Fasern sind um ein zentrales dielektrisches Element als zusätzliche Verstärkung angeordnet. Die äußere Ummantelung kann mit einer integrierten Reißleine entfernt werden, um die Simplex-Fasern für die weitere Bearbeitung freizulegen. Danach können die individuellen Fasern direkt in ein Patchfeld oder ein Werkzeug für Kabelabschlüsse eingesteckt werden. Das Material der Ummantelung kann für Steigleitungen oder Plenum zertifiziert sein, um in Wände oder Luftkanäle verlegt zu werden.
Breakout-Kabel werden überall da genutzt, wo mehrere Fasern von einem Punkt zu einem anderen laufen müssen. Da jede Faser von Verstärkungsmaterial und einer Ummantelung geschützt wird, werden Breakout-Kabel oft in horizontalen Bereichen zwischen Arbeitsumgebungen und einem Telekommunikations- oder Technikraum genutzt. Sie werden auch im Glasfaser-Backbone des Gebäudes für die Verbindung des Telekommunikations- mit dem Technikraum in einer hierarchischen Topologie verwendet. Breakout-Kabel können zwischen Patchfeldern genutzt oder direkt in Geräte gesteckt werden.
Ein Verteilerkabel besteht aus mehreren, fest gepufferten Fasern, die um ein zentrales Verstärkungsmaterial angeordnet und mit Aramidgarn und einer äußeren Ummantelung wie in Abb. 14 umhüllt sind. Da die fest gepufferten Fasern nicht individuell ummantelt sind, sind die Verteilerkabel schmaler und leichter als Breakout-Kabel mit derselben Anzahl an Fasern. Das Material der äußeren Ummantelung kann für Steigleitungen oder Plenum zertifiziert sein, um in Wände oder Luftkanäle verlegt zu werden.
Verteilerkabel werden wie Breakout-Kabel dort genutzt, wo mehrere Fasern von einem Punkt zu einem anderen geleitet werden müssen. Manche Installateure bevorzugen Verteilerkabel aufgrund der kompakten Größe und dem geringen Gewicht für die Basisverkabelung des Gebäudes. Da die individuellen Fasern aber nicht durch Verstärkungsmaterial und einer Ummantelung geschützt werden, benötigen die Verteilerkabel ein Schutzgehäuse an jedem Patchfeld, wie z. B. in Abb. 15. Es ist nicht empfehlenswert, Verteilerkabel direkt in die Geräte zu stecken oder sie für horizontale Verbindungen zu verwenden.
Bündeladerkabel für den Außenbereich
Ein Außenkabel wurde entwickelt, um grober Behandlung, widrigen Witterungsverhältnissen und rauen Umgebungen standzuhalten. Das typische Glasfaserkabel für den Außenbereich hat den Aufbau eines Bündeladerkabels (siehe Abb. 16). Jedes Bündel der gepufferten 250 μm-Fasern wird durch einen Bündeladerpuffer geschützt. Die Hülle ist mit feuchtigkeitsblockierendem Gel oder einem trockenen Material gefüllt, um das Eindringen von Wasser zu vermeiden. Mehrere Bündeladerpuffer umfassen ein zentrales dielektrisches Verstärkungselement. Die Pufferrohre, das Verstärkungselement und die äußere Ummantelung schützen die Fasern vor Beschädigungen und verhindern extremes Biegen. Aufgrund des Bündelader-Designs können sich die Kabel über einen großen Temperaturbereich ausdehnen und zusammenziehen, ohne die Faser zu belasten.
Bei der Terminierung von Bündeladerkabeln in einem Spleißgehäuse oder Patchfeld, muss besonders darauf geachtet werden, dass die gepufferten 250 μm-Fasern nicht beschädigt werden. Ein Fächerset beinhaltet eine Verzweigungsvorrichtung und 900 μm-Pufferhüllen, um die individuellen 250 μm-Fasern voneinander zu trennen und zu umhüllen, um einen Schutz wie bei einem Verteilerkabel für Innenräume zu erstellen (siehe Abb. 17). Sobal sie installiert wurden, können die gepufferten 900 μm-Fasern mit Spleißen oder Steckern konfektioniert werden, allerdings benötigen sie noch stets ein Schutzgehäuse.
Ein Breakout-Set ähnelt einem Fächerset, nutzt aber auch Aramidgarn und eine 2 mm oder 3 mm dicke äußere Ummantelung, um den Schutz eines Breakout-Kabels wie in Abb. 18 nachzuahmen. Die Verzweigungsvorrichtung trennt die einzelnen Fasern und bietet Zugentlastung. Eine 900 μm-Pufferhülle bedeckt die Faser und sie ist mit Aramidgarn sowie einer äußeren Ummantelung umgeben. Mit einem Breakout-Set kann die Faser direkt an ein Patchfeld oder direkt an ein Gerät, wie z. B. eine Kreuzschiene, angeschlossen werden. Die Verwendung eines Fächer- oder Breakout-Sets vermeidet die Beschädigung der empfindlichen 250 μm-Fasern durch unsachgemäße Handhabung, Biegen oder Brechen.
Panzerkabel
Ein Panzerkabel hat für einen zusätzlichen Schutz der Glasfasern eine Aluminiumschicht unter der äußeren Ummantelung. Sie sind als Innenkabel mit Vollader und als Bündeladerkabel für Außenbereiche erhältlich (siehe Abb. 19). Eine Panzerschicht bietet zusätzlichen Schutz für ein Kabel, dass speziellen Gefahren durch z. B. Nagetiere ausgesetzt wird.
Taktische Kabel
Ein taktisches Kabel ist ein extrem robustes Glasfaserkabel mit Vollader, das militärischen Standards entsprechend für raue Umgebungen entwickelt wurde. Das Militär verwendet taktische Glasfaserkabel in Gefechtssituationen, um eine äußerst zuverlässige Kommunikationsverbindung herzustellen. Fernsehsender setzen taktische Glasfaserkabel ein, um eine stabile und auf hohe Bandbreite ausgerichtete Verbindung zwischen den Kameras und dem Fernseh-Übertragungswagen für Sportveranstaltungen und elektronische Berichterstattung zu erzeugen. Eine strapazierfähige äußere Ummantelung aus Aramidgarn zur Verstärkung bietet eine sehr hohe Trittfestigkeit und Schutz, wenn Fernseh-Übertragungswagen oder Militärfahrzeuge über die Kabel fahren.
Farbkodierung für Glasfaserkabel
TIA/EIA-598 definiert ein Farbkodierungsschema (siehe Tabelle 1), um die einzelnen Fasern oder Fasergruppen in einem Kabel zu identifizieren. Bei einem Verteilerkabel (siehe Abb. 14) entsprechen die Farben der Volladern dem TIA/EIA-598-Schema. Bei einem Bündeladerkabel (siehe Abb. 16) werden die Farbcodes bei den Bündeladern und den einzelnen Fasern in jeder Hülle verwendet. Normalerweise werden die Farbcodes nicht für Kabelummantelungen genutzt.
| Positionsnummer | Farbcode |
|---|---|
| 1 | Blau |
| 2 | Orange |
| 3 | Grün |
| 4 | Braun |
| 5 | Schiefergrau |
| 6 | Weiß |
| 7 | Rot |
| 8 | Schwarz |
| 9 | Gelb |
| 10 | Violett |
| 11 | Rosa |
| 12 | Hellblau |
| 13 bis 24 | Wiederholung der Farben 1 bis 12 mit schwarzem Indikator |
Die Ummantelung eines Glasfaser-Innenkabels hilft bei der Identifizierung der Glasfaserart im Kabel (siehe Tabelle 2). Allerdings könnten auch andere Farben verwendet werden, die nicht mit dieser Konvention übereinstimmen. Daher werden zusätzliche Informationen zur Identifizierung des Fasertyps im Kabel auf die Ummantelung gedruckt. Da die einzelnen Fasern eines Breakout-Kabels separate Ummantelungen haben, könnte sich die Mantelfarbe nach dem TIA/EIA-598-Schema in Tabelle 1 richten, um die einzelnen Fasern leicht zu erkennen, oder das Schema von Tabelle 2 zur Identifizierung der Faserart im Kabel verwenden.
| Farbe der Ummantelung | Fasertyp |
|---|---|
| Orange | OM1- oder OM2-Multimode |
| Gelb | OS1- oder OS2-Singlemode |
| Hellblau | Laseroptimiertes OM3- oder OM4-Multimode |
| Rot | OS1- oder OS2-Singlemode |
| Blau | Polarisation erhaltende Singlemode-Faser |
Die Farbkodierung der Stecker wird nicht vom TIA/EIA-598-Standard spezifiziert, aber ein allgemein bekanntes Farbenset wird von den meisten Herstellern genutzt, um den Glasfasertyp und Art der Verbinderpolitur anzugeben (siehe Tabelle 3). Zu den gebräuchlichen Verbinderpolituren gehören Physical Contact (PC), Super Physical Contact (SPC), Ultra Physical Contact (UPC) und Angled Physical Contact (APC). Die PC-, SPC- und UPC-Stecker haben eine leicht gekrümmte Endfläche und verwenden verschiedene Präzisionsgrade für niedrigere Verbindungsverluste und eine bessere Rückflussdämpfung. Diese drei Stecker sind miteinander kompatibel. Die APC-Endfläche ist in einem Winkel von acht Grad poliert, um eine Rückflussdämpfung von ≥65 dB für Singlemode-Glasfaser zu erreichen und die Rückreflexionen auf 0,00032 % zu minimieren. Zusätzlich müssen die APC-Stecker kodiert werden, um sicherzustellen, dass die Endflächen beim Verbinden korrekt ausgerichtet werden. Der APC-Stecker ist nicht mit einem PC-, SPC- oder UPC-Stecker kompatibel.
Obwohl die meisten Stecker-Farbkodierungen nicht strikt befolgt werden, nutzen doch fast alle Hersteller hellgrün für APC-polierte Singlemode-Anschlüsse, um zu gewährleisten, dass nur APC-Stecker mit anderen APC-Steckern verwendet werden. Sollte ein APC-Stecker mit einem anderen Anschlusstyp verbunden werden, könnte es die Stecker-Endfläche permanent schädigen.
| Steckerfarbe | Stecker- und Fasertyp | Politurtyp |
|---|---|---|
| Beige oder Grau | OM1 - 62,5 μm-Multimode | PC, SPC oder UPC |
| Schwarz | OM2 - 50 μm-Multimode | PC, SPC oder UPC |
| Hellblau | OM3/OM4 - 10 Gbps 50 μm-Multimode | PC, SPC oder UPC |
| Blau | OS1- oder OS2-Singlemode mit PC-, SPC- oder UPC-Politur | PC, SPC oder UPC |
| Grün | OS1- oder OS2-Singlemode mit APC-Politur | APC |
Schlussfolgerungen
Glasfaserkabel bieten einzigartige Vorteile in einem AV‑System, besonders für abgesicherte Umgebungen und Anwendungen mit langen Distanzen. Die Wahl des richtigen Kabels hängt von der Anzahl der benötigten Fasern, dem Installationsort, der Topologie und dem Gesamtdesign des Systems ab. Es sind Kabelkonstruktionen für sowohl Innen- als auch Außenanwendungen erhältlich, um eine Lösung für praktisch jedes System bieten zu können. Farbkodierungen sind eine einfache Identifikationsmethode für Multi-Glasfaserkabel.
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